Der älteste Verein in Körle feiert Geburtstag

Gesangverein Körle 1882


Im Jahr 2022 feiert der Gesangverein Körle sein 140-jähriges Bestehen. Aus diesem Grund hat der Ehrenvorsitzende Hermann Pawlik die wichtigsten Stationen des Vereins mithilfe der Chronik zusammengefasst. Pawliks Bericht wurde auch in der Bürgerzeitung veröffentlicht. Außerdem erschien am 3. Februar 2022 auch ein Artikel in der HNA über den Verein.


Auf dem Bild, aufgenommen beim Konzert zum 135-jährigen Bestehen in der Berglandhalle, sind zu sehen: 1. Reihe von links: Hiltrud Werner, Edith Hillwig, Gertrud Breuer, Inge Zilch, Brunhild Klatt, Martha Kinsel, Ursel Käding, 2. Reihe von links: Gudrun Bitterling, Hannelore Jungermann, Doris Gleisner, Kriemhild Maifarth, Ursula Rückert, Jacqueline Renz, Bärbel Käiser, Elfriede Schröder, Hilde Hühne, 3. Reihe, der Männer, von links: Dieter Hinz, Hans Hillwig, Günther Maifarth, Karl-Heinz Becker, Peter Schröder, Rudi Werner, Willi Jungermann, Arnold Schaumburg, Willi Aßauer, Horst Jacob, Georg Jacob, Hermann Pawlik, Horst Felsch, Helmut Hühne.

1.Reihe von links: Irmgard Rohleder, Martha Imke, Rosemarie Tschada, Elfriede Schellhase, Dora Pipper (Ochs ) Hilde Jacob, Inge Zilch, Irmgard Griesel, Brunhild Klatt, Rita Zilch, 2.Reihe von links: Elisabeth Werner, Herta Ochs, Ilse Dietrich, Kriemhild Maifarth, Anneliese Clobes, Brigitte Baumann, Irmhilde Dietrich, Annemarie Blumenstein, Ruth Titz, Hilde Hühne, Inge Pawlik, 3.Reihe von links: Fritz Ochs, Thilo Grunewald, Rudolf Baumann, Johannes Kördel, Christof Jacob, Helmut Jacob, Hermann Pawlik, Karl Riedemann 4.Reihe von Links: Heinrich Ganz, Helmut Hühne, Martin Schaub, Jakob Döring, Helwig Möller, Jakob Rohleder, Guido Wagner, Hans Wenzel, Johannes Schröder und Siegfried Titz. Entstanden ist das Foto im Gasthaus zum Bahnhof. Der Artikel erschien am 3. Februar 2022 in der HNA.

Die Chronik (von Hermann Pawlik)

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger der Großgemeinde Körle,

liebe Sängerinnen und Sänger, liebe Leserinnen u. Leser.

Aus Anlass unseres 140-jährigen Bestehens hatten wir in unserer Vorausplanung eigentlich eine dem Anlass gebührende Feierstunde vorgesehen. Leider ist das gewählt Motto: „Corona und kein Ende“, heute noch gültig. Aus diesem Grund möchten wir das Jubiläumsjahr nicht vergehen lassen, ohne gebührend darauf hinzuweisen und dadurch das Interesse am Chorgesang wachzuhalten.

Am 1. Februar 1882 wurde der Verein als reiner Männerchor gegründet.Es waren damals sangesfreudige Männer, die diesen, unseren Verein, ins Leben riefen. Wie aus der Vereinschronik zu entnehmen ist, sie wurde in hervorragender Weise von Heinz Rüdiger erstellt, war man bereits in den Anfangsjahren bestrebt dem Männerchor einen Frauenchor anzugliedern, was bei einigen Männern immer wieder auf Widerstand stieß. Diesen Widerstand gibt es auch heute noch in einigen Männerchören in unserem Sängerkreis und darüber hinaus.

1940er-Jahre

Erst als Konrad Zimmermann, der Vater von Ruth Titz, nach dem zweiten Weltkrieg den Männerchor wieder ins Leben rief, wurde bereits im Jahre 1947 zusammen mit einem Mädchenchor der Körler Volksschule ein Weihnachtskonzert in der Körler Kirche durchgeführt. Aus diesem Mädchenchor wurde dann in 1948 der heutige Frauenchor. Konrad Zimmermann verstand es als Vorsitzender und Chorleiter ausgezeichnet die Chöre mit Leben zu erfüllen und den Gesang aus den Übungsstunden heraus zutragen zu einem dankbaren Publikum. Ihm zur Seite stand der damalige 2. Vorsitzende Justus Brede, der heute Ehrenmitglied unseres Vereins war.

1950er- und 60er-Jahre

Höhepunkt dieser Aufbauarbeit für Männer- und Frauenchor, war das Sängerfest zum 70-jährigen Bestehen des Vereins, das im Juli 1952 gefeiert wurde. Das erste große Fest nach dem Krieg, ein Fest, bei dem das ganze Dorf aktiv dabei war und der Frauenchor einen hohen Anteil hatte. Ein Zeitzeuge kann sich daran noch gut erinnern, denn er durfte als damals Sechsjähriger auf einem Festwagen mitwirken. Es waren ausschließlich Festwagen mit Motiven aus der Märchenwelt. Während dieses Festes muss irgend etwas auf ihn gewirkt haben, was elf Jahre später dazu führte, dass er in den Verein eingetreten ist. Männer- und Frauenchor beschlossen dann auf Grund ihrer guten Zusammenarbeit die Umbenennung des Vereins in den „Gemischten Chor“.

Die Aktivitäten der 1950er- und 60er-Jahre waren vielfältig und bewiesen das hohe Niveau des Chores bzw. des Vereins. Aus dem Reigen der Veranstaltungen des Chores unter der Leitung von Konrad Zimmermann möchte wir nur einige hervorheben: April 1956 Aufführung des „Kolumbus“, Juni 1957 75 jähriges Bestehen, April 1962 ein Konzert zum 80-jährigen Bestehen unter Mitwirkung des Kasseler Streichquartetts, April 1967 anlässlich des 85 jährigen Bestehens wird bei einer Konzertveranstaltung die erneuerte Vereinsfahne vom MSB-Präsidenten Waltari Bergmann geweiht. Und schließlich das Zonenrandkonzert mit dem Kasseler Kurorchester im Dezember 1969. Es war die letzte große Veranstaltung von Konrad Zimmermann bevor er im Frühjahr des folgenden Jahres verstarb und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und einer großen Sängerschar zur letzten Ruhe getragen wurde.

Hier beginnt ein neuer Abschnitt in der 140-jährigen Vereinsgeschichte. Selten hatte ein Chorleiter und Vereinsvorsitzender so gut für einen Nachfolger gesorgt wie Konrad Zimmermann. Er erkannte früh die Musikalität und das Organisationstalent von Helmut Jacob, der bereits 1965 Vereinsvorsitzender und Stellvertretender Chorleiter war, sodass er ohne große Übergangsschwierigkeiten die Stelle des Chorleiters für Männer-, Frauen- und Gemischten Chor übernehmen konnte.

1970er-Jahre

Das 90-jährige Bestehen des Vereins und das 25-jährige Bestehen des Frauenchores wurden 1972 gemeinsam in einem großen Festzelt auf „Bredens Wiese“ gefeiert. Der Festzug am Sonntag war für alle Beteiligten ein großartiges Ereignis. Viele Motivwagen und Pferdekutschen zogen durch den Ort, wobei eine Kutsche so schwer beladen war, dass die Pferde ihren Dienst versagten. Nicht versagt aber hat der feste Wille aller Sängerinnen und Sänger die Vereins- gemeinschaft untereinander zu pflegen und hochzuhalten. Im Jahr darauf, 1973, gab Helmut Jacob das Amt des 1. Vorsitzenden an Siegfried Titz ab, weil die Mitglieder eine Teilung der Ämter Chorleiter und Vorsitz wollten. So unternahm man noch im selben Jahr unter neuer Leitung eine mehrtägige Bahn- und Busfahrt in den Schwarzwald. Reiseziel war Bad Antogast, wo man gemeinsam mit einer eingeladenen Trachtengruppe einen unvergesslichen Abend verbrachte. Einen der größten Auftritte hatte der Chor während der Festwoche zur 900-Jahr-Feier der Gemeinde Körle im Jahre 1974. Unter der Leitung von Helmut Jacob und Ruth Titz wurde während des Dorfabends von den Mitgliedern des Chores eine Spinnstube vorgeführt, die seines gleichen sucht. Am selben Abend wurde erstmals das von unserem verstorbenen Ehrenbürger und blinden Heimatdichter Wilhelm Pfeiffer verfasste Theaterstück „Die Magd von Körle“ aufgeführt. Hier konnten die erfahrenen Schauspieler des Chores, sowie zwei dem Chor nahestehende „Körler Bürger“ ihre schauspielerischen Talente unter Beweis stellen. Bei den Zuschauern kam die „Magd von Körle“ so gut an, dass sie im Jahr darauf noch 2 mal wiederholt wurde. Der Sonntag stand auch bei diesem Fest, der 900 Jahrfeier, ganz im Zeichen eines großartigen Festzuges, an dem der Verein wieder mit einer Fußgruppe aller Theaterspieler, sowie einem Motivwagen der Spinnstube vertreten war. Auch wenn dieser Festzug nicht buchstäblich ins Wasser fiel, sondern im Wasser marschierte, denn es regnete in Strömen, konnte das der Stimmung aller Beteiligten und Zuschauer keinen Abbruch leisten.

Die 900 Jahr-Feier hatte von jedem einzelnen Mitglied viel Zeit und Energie verlangt. Am Ende lohnte der große Erfolg den Aufwand. Vorstand und Chorleiter konnten mit der Leistung des Chores und mit der Einsatzbereitschaft der Mitglieder zufrieden sein, hatte doch der Körler Gesangverein gezeigt, dass er ein Eckpfeiler im kulturellen Leben des Dorfes ist. Ohne sich auf den Lorbeeren auszuruhen ging das Vereinsleben seinen gewohnten Gang. Neben den schon fast zur Selbstverständlichkeit gewordenen Aufgaben wie die musikalische Umrahmung von Feierstunden, Mitwirken bei Veranstaltungen, Singen bei kirchlichen Festen, Gesangsvorträgen bei Festen befreundeter Vereine, das Ständchen singen bei Jubiläen usw. verdienen es mehrere hervorragende Veranstaltungen aus den Jahren vor dem 100jährigen Jubiläum erwähnt zu werden.

Da war im Dezember 1977 das gelungene Zonenrand-Konzert zusammen mit dem Kurorchester Kassel-Wilhelmshöhe, die Adventsmusik in der Körler Kirche in Verbindung mit dem Posaunenchor und dem Gemischten Chor Wollrode am 3. Advent 1979.

1980er-Jahre

Zu einer „musikalischen Rundreise“ in einem Konzert und Liederabend hatten der Chor und der Musikzug des TSV Rot-Weis Körle im Mai 1981 eingeladen. Einen absoluten Höhepunkt in der Geschichte des Körler Gesangvereins aber bildete die Verleihung der Zelterplakette, die vom Bundespräsidenten einem Verein verliehen wird, „der nicht nur 100 Jahre alt wird, sondern auch erfolgreiche Arbeit in der Chorpflege leistet und im Rahmen der örtlich gegebenen Verhältnisse eine für die Allgemeinheit anerkannte und gemeinnützige Kulturarbeit erbringt“.

Diese hohe Auszeichnung konnte eine Delegation des Jubiläumsvereins, anlässlich des Hessentages am 16.Mai 1982 in Wächtersbach aus den Händen des damaligen Kultusministers Hans Krollmann entgegennehmen. Die Verleihung der Zelterplakette ist eine Ehre für alle Mitglieder. Gute Chorarbeit kann nur ermöglicht werden, wenn alle Sängerinnen und Sänger bereit sind unter strenger Selbstdisziplin, wie es Heinz Rüdiger in einer Festschrift nennt, regelmäßig auf einen Teil ihrer Freizeit zu verzichten um die Übungsstunden zu besuchen. Die Zelterplakette ist aber auch gleichzeitig eine hohe Anerkennung der Arbeit der Vereinsvorstände und Chorleiter, die durch ihre umsichtige Führung den Verein erfolgreich geleitet haben. Die große Ehrung beinhaltete aber auch die Verpflichtung das Liedgut lebendig zu erhalten und den folgenden Generationen zu überliefern, ohne sich dem Neuen zu verschließen, was wir bei unserem Konzert im Februar 1982 bewiesen haben. Diesem Auftrag, sich dem neuen nicht zu verschließen, wurde der Verein, so glauben wir mit ein wenig Stolz sagen zu können, während der Feiern anlässlich des 100 jährigen Bestehens am letzten August Wochenende im Jahre 1982 mehr als gerecht. So konnten am Freitag zur Jugend-Disco, in der im gleichen Jahr eingeweihten neuen Berglandhalle, 500 Jugendliche begrüßt werden.

Ein Glücksgriff war die Einladung der vom Fernsehen her bekannten „Mainzer Hofsänger“, die man ein Jahr zuvor in Hünfeld unter die Lupe genommen hatte. Ein nicht abreißen wollender Besucherstrom bewegte sich auf die Halle zu. Noch mit den Tücken der Tontechnik kämpfend, mussten die Sänger zusehen wie sich die Halle mit 1300 Personen füllte.

Ganz neue Wege beschritt man am Sonntag beim Chorsingen der Gastvereine. Begonnen hatte der Tag mit einem Festgottesdienst in der Berglandhalle, in dem es Pfarrer Heubner, selbst Chorleiter, verstand die Verbindung zu den Sängern herzustellen. Im Anschluss an den Gottesdienst konnten die Gastchöre vor einem aufmerksamen und dankbarem Publikum ihre Lieder vortragen, welches bei allen Beteiligten großen Anklang fand und zur Nachahmung empfohlen wurde. Die Pause zum Essen, aus der Feldküche des DRK, war für die Aktiven sicherlich viel zu kurz, denn bereits ab 14 Uhr bewegte sich der Festzug mit 1200 Mitwirkenden bei herrlichem Sommerwetter durch die von ungezählten Menschen gesäumten Straßen in Richtung Körler Sportplatz. Hier fand dann unter Mitwirkung aller Gastchöre die Kreischorfeier unter Leitung des unvergessenen Kreischorleiters Walter Edeling statt. Immer wieder, so konnte man es auch der Presse entnehmen, wurde den Organisatoren bestätigt, dass es wohl das bislang schönste Sängerfest gewesen sei.

Dank erntete man auch in dem man im Jubiläumsjahr 12 neue Mitglieder gewinnen konnte. Nachdem man wieder neue Kraft getankt hatte und von der während des Festes innerlich gewonnenen Kraft zehrend, wurde die Arbeit mit neuem Schwung fortgesetzt. So wurde im folgendem Jahr, ein immer gehegter Sängerwunsch erfüllt.

Eine Fahrt in die in einigen Konzerten und unzähligen Proben oft besungene Stadt am herrlichen Donaustrand . W i e n. Ein unvergessenes Erlebnis..!! Die Frauen unternahmen im gleichen Jahr eine Floßfahrt mit der überladenen „Fuldanixe“ und führten anlässlich eines Wintervergnügens ein „Zigeunerlager“ in bewährter Manier auf. Ebenso wurde eine Singfreizeit in Willingen wie bereits in 1981 durchgeführt. Immer den Sängergedanken vor Augen wurde neues Liedgut einstudiert, Konzert veranstaltet und Jubilaren ein Ständchen gebracht.

Auch wurde die Geselligkeit immer wieder gepflegt und mit Fahrten nach Würzburg in 1986 ,sowie in 1988 an die Mosel und der „Rhein in Flammen“ untermauert. Doch plötzlich stand nicht nur der Rhein in Flammen. Ein Feuer das seit einiger Zeit unterschwellig brannte, kam im Verein offen zum Ausbruch. Auch das gehört nun einmal zur Vereinsgeschichte.

In diese Zeit hinein kam auch noch der Wechsel des Vereinslokals. Für kurze Zeit war man Gast im evangelischen Gemeinde Zentrum, weil man glaubte, es gibt nach einigen Umbau- und Renovierungsarbeiten ein Zurück ins Vereinslokal „Am Bahnhof“. Nicht unerwähnt bleiben darf auch, dass die beiden Schriftführerinnen Ruth Titz u. Elfriede (unsere Elfi) Schellhase nach 33 Jahren ihr Amt aus Altersgründen zur Verfügung gestellt hatten. Ausführliche Protokolle tragen ihre Handschrift, so dass der Nachwelt jederzeit ein gutes Nachschlagewerk zur Verfügung steht.

1990er-Jahre

Dem umsichtigen Handeln der Vorstandsmitglieder ist es zu verdanken, dass in einer außerordentlichen Versammlung am 22.August 1990, nach dem zuvor der Chorleiter das Amt niedergelegt und der Vorsitzende dazu aufgefordert wurde, es mit einem neuem 1.Vorsitzenden und einer neuen 2.Vorsitzenden, sowie dem neuem Chorleiter weiter ging. Zwischenzeitlich war man in die Pizzeria „ Da Carmen“, besser bekannt unter dem „Stern“, umgezogen, wo von nun an das Vereinslokal sein sollte. Doch die Arbeit des Chorleiters war nicht vom Erfolg gekrönt und somit nicht von langer Dauer. Nachdem er den Chor auf der Wochenendfreizeit im Forsthaus Kissel in Thüringen begleitet hatte, die innerdeutsche Grenze hatte sich ja bekanntlich nach Jahren der Teilung plötzlich geöffnet und er an einer Fahrt in den Elsass teilgenommen, zwei Konzerte in Waldau und Körle mit dem Chor aufgeführt hatte, verließ er den Verein nach nicht ganz zweijähriger Tätigkeit.

Die Verantwortlichen im Chor hatten frühzeitig reagiert und konnten den Sängern, ohne dass eine Pause in der Chorarbeit entstand, eine neue Chorleiterin vorstellen, die am 29. Januar1993 ihre erste Übungsstunde in Körle abhielt. Somit hatte man erstmalig eine Frau als Chorleiterin für den Gemischten Chor verpflichtet. Sie verstand es die Sängerinnen und Sänger neu zu motivieren und der Chorarbeit neue Impulse zu geben. So wurde zum Beispiel, unter Protest der Beteiligten, eine neue Sitzordnung eingeführt.

Tenor und Bass wurde blockweise zwischen Sopran und Alt gesetzt. Am Ende blieben die Sänger die Sieger. Es blieb alles beim Alten. Im Herbst des gleichen Jahres wurde wieder ein Dorfabend mit der Aufführung des Theaterstückes „Der Vereinsmeier“ veranstaltet, wozu die Vorstände des Chores auch einige junge Leute zum Mitmachen bewegen konnten, in der Hoffnung sie längerfristig an den Chor binden zu können, aber leider ein Trugschluss war. Der Männerchor, Körle-Schwarzenberg, den Helmut Jacob weiterhin leitete, litt während dieser Zeit unter Nachwuchsmangel, was aber die Sänger nicht mutlos werden lies. Mit dem Männerchor Guxhagen, den Helmut Jacob zwischenzeitlich übernommen hatte, wurde vereinbart sich gegenseitig zu unterstützen. Diese gegenseitige Unterstützung führte schließlich dazu, dass beide Chöre von Zeit zu Zeit gemeinsam auftraten und am Jahresende eine gemeinsame Wanderung unternahmen, den Chorgesang und die Geselligkeit pflegten.

Das Jahr 1994 lief ohne große Höhepunkte ab. Im Frühjahr unternahm man eine Fahrt in Richtung Trier und nach Luxemburg und nahm am Kreissängerfest in Felsberg teil.

Während der Jahreshauptversammlung am 06. Januar 1995 gab der 1. und die 2. Vorsitzende bekannt, das sie aus persönlichen Gründen für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung stünden. Ein erneuter Wechsel in der Führung des Vereins stand an. Fritz Ochs, Bürgermeister der Gemeinde, seit fast 40 Jahren Mitglied des Vereines und in dieser Zeit 15 Jahre Kassierer des Vereins, hatte sich im Vorfeld der Versammlung bereit erklärt die Geschicke des Vereins fort an zu lenken und wurde einstimmig gewählt. Als 2. Vorsitzender wurde Hermann Pawlik gewählt, der in früheren Jahren bereits 16 Jahre 2. Vorsitzender war. In gleicher Jahreshauptversammlung wurden Änderungen in der Satzung vorgenommen und der Vereinsname in „Gesangverein Körle 1882“ geändert. Der Grund für die Namensänderung bestand darin, das man in mehreren Chorgattungen singt und der „Gemischte Chor“ durch den ursprünglichen Name, wie er auf der Vereinsfahne zu lesen ist, ersetzt werden sollte.

Für das gleiche Jahr, 1995, wurde ein Liederabend mit den befreundeten Chören aus Schwarzenberg und Guxhagen von der Chorleiterin vorbereitet und erfolgreich durchgeführt. Hier kam das Potpourri „Schwarzwaldmädel“ aus der gleichnamigen Operette, erstmals zur Aufführung.

Unüberbrückbare Spannungen zwischen Chorleiterin und Vorstand führten Anfang 1996 zur Entlassung der Übungsleiterin. Musikalisch vorbelastet, übernahm der 1. Vorsitzende Fritz Ochs kommissarisch die Chorleiterstelle und hielt Ausschau nach einer Ablösung. Als alle Bemühungen vergeblich blieben, übernahm er, nach Rücksprache mit seiner Frau und der Einwilligung des Vorstandes sowie der Sängerinnen und Sänger die Chorleiterstelle neben dem 1.Vorsitz.

Das an Aufgaben reiche Jahr wurde durch eine Fahrt ins Elbsandsteingebirge und einer Bahnfahrt nach Frankfurt abgerundet. In den folgenden Jahren wurde erfolgreiche Vereinsarbeit betrieben und der Verein seinem satzungsgemäßen Auftrag immer gerecht. Hier sind besonders die vielen Ständchen zu erwähnen.

Sie kamen neben allen Konzert- und Liederabenden, Sängerfesten, Vereinsfahrten nach Leipzig mit Saale-Unstruhttal, das Erzgebirge mit Karlsbad und Marienbad, immer gut an.

Am 20. Februar 1999 konnte der Frauenchor sein 50jähriges Bestehen im Rahmen unseres Wintervergnügens mit zahlreichen Ehrungen begehen. Im folgendem Jahr ist der Verein, nach mehreren Wechseln der Wirte im Vereinslokal, erneut umgezogen und hat in der Berglandhalle, im Musikraum eine hoffentlich endgültige Bleibe gefunden.

Es wurde auch Kontakt zu einem Männerchor in der Körler Partnergemeinde Floh-Seligenthal hergestellt und durch zwei gemeinsame Konzerte, sowie ein gemeinsames Wanderwochenende der Männer beider Chöre, vertieft.

2000er-Jahre

Mit Beginn des neuen Jahrtausends veränderte sich das Vereinsleben nicht. Es wurde fleißig geübt in den Chören, denn in zwei Jahren sollte das 120jährige Jubiläum mit einem Konzert, gemeinsam mit Musikern aus der Region, gefeiert werden. Zwei Jahre zuvor, wie auch zwei Jahre später, hat ebenfalls ein Konzert mit den Musiker statt gefunden. Aus Anlass des 125jährigen Bestehens in 2007 gab es zwei Veranstaltungen. Im Februar, nahe dem Gründungstag wurde, wie die Jahre zuvor ein Konzert veranstaltet. Für die Mitte des Jahres wurde das in Verbindung mit unserem Jubiläum statt findende Kreissängerfest vorbereitet.

Auf dem Bild, aufgenommen in der Berglandhalle, sind zu sehen: 1. Reihe von links: Lina Erhart, Elisabeth Kasten, Lucie Andrich, Martha Imke, Ursula Rath, Fritz Ochs, Ruth Titz, Inge Zilch, Brunhild Klatt, Irgard Griesel, Martha Kinsel. 2. Reihe von links: Doris Gleisner, Edith Hillwig, Christa Kellner, Helga Reinbold, Giselinde Schmoll, Ilse Jacob, Ursel Käding, Ilse Dietrich, Hilde Hühne, Ursula Rückert. 3. Reihe von links: Gudrun Bitterling, Herta Ochs, Kriemhild Maifarth, Anneliese Clobes, Ria Schaumburg, Martina Reinhardt, Barbara Volkmann, Irmhilde Dietrich, Elfriede Schröder, Bärbel Schröder, Bärbel Kaiser, Karin Wilhelms. 4. Reihe von links: Walter Dietrich, Günter Maifarth, Arnold Schaumburg, Peter Schröder, Horst Jacob, Justus Brede, Helmut Kellner, Ernst Reinbold, Willi Aßhauer, Georg Pohl. 5. Reihe von links: Dieter Hinz, Jörg Bäumgen, Hans Hillwig, Helmut Hühne, Hermann Pawlik und Manfred Volkmann.

Das gewöhnlich bei Kreissängerfesten übliche Platzsingen sollte einen neuen Stellenwert erhalten. Nach reiflicher Überlegung und nicht von allen Festausschuss Mitgliedern mitgetragene Vorschlag des Festausschuss Vorsitzenden, Hermann Pawlik, das Platzsingen als eine „Singend und klingende City“ zu veranstalten, fand der Vorstand des Sängerkreises die Idee als Umsetzbar. Es sollten in der Mitte des Ortes an vier verschiedenen Stellen, die Bezirkschöre ihre Lieder vortragen. Das hatte den Vorteil, dass die Zuhörer kurzzeitig ihren Standort wechseln konnten und so verschiedenen Chören zuhören konnten. Das Konzept ging zu aller Zufriedenheit voll auf. Nach dem Platzsingen bewegte sich ein langer Festzug, begleitet von Musikern, in Richtung Berglandhalle. Hier fand unter Leitung des unvergessenen Kreischorleiters Hermann Herchenröther, die Kreischorfeier vor einem großen Publikum statt.

Es wurden weiterhin Konzerte veranstaltet, so auch in 2012 anlässlich des 130-jährigen Bestehens. Das letzte Konzert unter der Leitung von Fritz Ochs. Er hat dann ein Jahr später, „nicht ganz freiwillig“, aus gesundheitlichen Gründe den Vorsitz abgegeben und ist im Oktober 2013 verstorben. Fritz Ochs hat sich nicht nur als Bürgermeister verdient gemacht, ihm ist auch der Gesangverein für seine langjährige Vorstands- und Chorleitertätigkeit zu großem Dank verpflichtet. Die Stelle des 1. Vorsitzenden übernahm 2013 Hermann Pawlik.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen auch die vielen, gut organisierten, Vereinsfahrten die fast alle zwei Jahre durchgeführt wurden. Hier hat Elfriede Schröder, die 12 Jahre 2. Vorsitzende war, einen guten Teil dazu beigetragen.

Im Jahr 2017 fand anlässlich des 135-jährigen Bestehens unter neuer Vereinsführung und Chorleitung wieder ein Konzert statt. Gisela Weber, Kreischor-leiterin, hatte während der Krankheit von Fritz Ochs, einige male die Vertretung übernommen und konnte so für den Chor gewonnen werden. Zwischenzeitig gab es einen erneuten Vorstands Wechsel. Hermann Pawlik hat nach weiteren sechs Jahren im Vorstand, das Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt und Hans Hillwig übernahm in 2019 die Stelle des 1. Vorsitzenden. Ebenso hat der Kassierer Günther Maifarth nach 40 Jahren sein Amt an Ruth Well übergeben. Die ausführlichen Protokolle der Jahreshauptversammlungen und Vorstands- sitzungen tragen seid über 30 Jahren die Handschrift der 1. Schriftführerin Ursel Käding.



140 Jahre Gesangverein Körle, das ist wahrlich ein Grund zum Feiern, aber, leider durch die Corona-Pandemie zur Zeit nicht möglich.
Aber, aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
140 Jahre Gesangverein ist auch Grund stolz zu sein auf Alle, die dazu beigetragen haben, dass dieser Chor so eine großartige Entwicklung genommen und eine solche Beständigkeit über die Freud- und leidvolle Zeit bewiesen hat.
Da stellt sich die Frage, unter welchen Umständen wird ein Chor 140 Jahre alt und kann ein solch seltenes Jubiläum feiern? Das Leben des Chores besteht ja nicht nur aus glanzvollen Höhepunkten die im Gedächtnis haften bleiben, sondern das Chorleben wird von der Alltagsarbeit beherrscht und geprägt.
Und diese Alltagsarbeit ist oftmals mühsam und beschwerlich. Dabei steht die Alltagsarbeit nicht im Rampenlicht, sie geschieht im Verborgenem.
Aber ohne diese graue Alltagsarbeit würde eben nichts geschehen.
Der Chor lebt somit vom Einsatz, der Liebe und Opferbereitschaft der Mitglieder, des Vorstandes und in unserem Fall vor allem auch der Chorleiterin bzw. des Chorleiters.
Ohne Einsatz, Liebe und Opferbereitschaft aller könnten wir kein Jubiläum feiern. Deshalb gilt unser Dank den Gründern des Chores und all denen, die im Chor mitgewirkt und ihn geleitet haben. Aber auch den heutigen Mitgliedern, aktiv und fördernd, sei gedankt, denn sie sind die Träger und Stützen des Chores. Sie garantieren das Weiterbestehen des Chores und stellen die Weichen für das zukünftige Vereinsleben.
Karl Suck, Lehrer und langjähriges Mitglied des Vereins hat einmal folgenden Vergleich angestellt: „Das Vereinsleben gleicht einer Uhr, die immer wieder aufgezogen werden muss, wenn sie gehen soll. Ein jeder der Sängerinnen und Sänger ist ein Rädchen dieser Uhr im Verein. Vorstand und Chorleiter sind die Federn dieser Uhr. Sie sorgen für Spannung, dass sich die Rädchen drehen, aber das geht nur, wenn alle Rädchen, sprich alle Sängerinnen und Sänger sich immer mitdrehen, anwesend sind bei Proben und Auftritten und so einen Rundlauf und genauen Gang der Vereinsuhr ermöglichen“.


Ich wünsche den Sängerinnen und Sängern sowie allen Mitgliedern,

dass sich ihre Vereinsuhr immer dreht und das immer neue Rädchen,

für einen runden Lauf sorgen.

Eines der Rädchen dieser Uhr könnten Sie sein, liebe Leserin lieber Leser.

Wenn Corona seinen Schrecken verloren hat und der Übungsbetrieb erneut startet, ist Ihre Chance gekommen, dabei zu sein!! Bis bald!!

Diese Chronik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, der Eine oder die Andere wird sagen; „da war doch noch…..“. Wo fängt man an, wo hört man auf ?

Pawlik 2. Schriftführer u. Ehrenvorsitzender